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Blade Runner 2049 - Unsere Kritik ist jetzt auch als Text verfügbar

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Harrison-Ford-Ryan-Gosling-Graham-Norton-Show

Die Knochen gehören, so viel sei verraten, Rachael (Sean Young), mit der Rick Deckard am Ende von "Blade Runner" vor den Killern der Tyrell Corporation flieht.

Regisseur Denis Villeneuve, der mit "Arrival" eine erstaunliche Entwicklung vom ambitionierten Genrefilmer zum Blockbuster-Auteur vollzog, ist jedoch eigenwillig genug, um nicht in die Nostalgiefalle eines solchen mit uneinlösbaren Erwartungen aufgeladenen Projekts zu tappen.

"So mutig wie der erste Blade Runner und noch viel schöner (vor allem im IMAX-Kino)". Der neue Film, von Regisseur Denis Villeneuve gedreht, spielt im Jahr 2049 und spinnt die Geschichte um die Jagd auf künstliche Menschen fort. Stolze 35 Jahre später kommt nun die Fortsetzung "Blade Runner 2049" in die Kinos. Schmutziger Schnee klebt Los Angeles zu, der nahe Ozean wird von einer gigantischen Mauer abgehalten und während kleine und große Flugobjekte durch den verfinsterten Himmel gleiten, sorgt eine verstörend dröhnende Filmmusik für Gänsehaut.

Bezeichnenderweise trägt der neue Held den Namen "K", wie einst der Held in Kafkas Prozess. Neben Harrison Ford und Ryan Gosling sind außerdem Robin Wright ("House of Cards", "Die Lincoln Verschwörung"), Mackenzie Davis ("Always Shine"), Carla Juri ("Feuchtgebiete", "Finsterworld"), Lennie James ("The Walking Dead"), Dave Bautista ("Guardians of the Galaxy") und Jared Leto z sehen. Und das ehemalige Vergnügungsparadies Las Vegas liegt inmitten eines radioaktiv verseuchten Sperrgebiets.

Pünktlich zum Kinostart von "Blade Runner 2049" erscheint bei Fischer Tor eine Neuübersetzung der literarischen Inspiration "Do Androids Dream Of Electric Sheep?" von Philip K. Dick. Wie der Vorgänger kontrastiert "Blade Runner 2049 "die aalglatte, technologisch perfekt weiterentwickelte Welt mit den sozialen Abgründen einer dystopischen Zukunft und ihrer großstädtischen Slums". Denn Replikanten haben künstliche Erinnerungen, Träume, Sex, auch mit Menschen. "K "führt eine berührende sehnsuchtsvolle Beziehung mit einem Hologramm, das, sobald es auftaucht, eine kurze Melodie erklingen lässt wie eine App, die geladen wird".

Die Spuren, die Villeneuve zurück zum Original legt, verwandeln "Blade Runner 2049" in einen virtuos verstellten Parcours, der die Mindfuck-Qualitäten von Scotts labyrinthischer Dystopie aber vermissen lässt. Der Replikant K (Ryan Gosling) hat den Job, die letzten flüchtigen Auslaufmodelle aufzuspüren und zu liquidieren.

Was die künstlichen Lebensformen mehr als alles andere wünschen, ist endlich jenseits einer reinen Funktionalität zu leben und nicht nur bestimmte Aufgaben zu erledigen, was auch als Analogie auf die Entfremdung des menschlichen Subjekts in der Moderne gelesen werden kann.

"Früher waren die Dinge einfacher", sagt der junge Mann zum alten, aber dieser Satz stimmt ja eigentlich nie.

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