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28-Stunden-Woche: IG Metall plant Arbeitszeit-Revolution

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                          Höhere Reallöhne in Deutschland – Clemens Fabry

Die Forderung ist Teil nahezu jeder Stellenausschreibung: Arbeitgeber verlangen von ihren Mitarbeitern, auch mal länger zu arbeiten, wenn mehr zu tun ist. Für sie soll es einen Lohnausgleich geben, der bei einer Vier-Tage-Woche den Ausfall für die unterste Lohngruppe zur Hälfte ausgleicht. Streiks sollen wehtun. Es darf nicht sein, dass Bahnchaos oder Politikerreden bei Betriebsversammlungen die Produktion mehr bremsen als Arbeitskämpfe.

Der Bezirksleiter der IG Metall für Berlin-Brandenburg-Sachsen, Oliver Höbel, sieht in der Möglichkeit, die Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden in der Woche abzusenken, viele Vorteile. "Zeit wird für die Beschäftigten immer wertvoller", sagte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann am Freitag in Frankfurt/Main die Forderung. Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger warnte, kürzere Arbeitszeiten würden den Fachkräftemangel verschärfen.

Die IG Metall erhält Rückendeckung aus der Bundesregierung.

Gibt es nicht bereits flexible Arbeitszeiten in der Branche? Die Anstrengungen zur Ausbildung von Fachkräften seien in den vergangenen Jahren sträflich vernachlässigt worden. Noch-Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD), die geschäftsführend auch dem Arbeitsministerium vorsteht, begrüßt die 28-Wochenstunden-Initiative.

"Neben deutlichen Einkommensverbesserungen angesichts einer wirtschaftlich hervorragenden Lage wollen wir das Zukunftsthema Arbeitszeit tariflich anpacken". "Unsere Arbeitswelt ist im radikalen Wandel". "Es ist gut, dass die IG Metall das Thema Arbeitszeit zu einem zentralen Punkt in der anstehenden Tarifrunde macht", sagte Nahles der Zeitung "Die Welt". Daher wird empfohlen, mit den Arbeitgebern auch über Regelungen zum Personalausgleich zu reden. Laut einer Umfrage der IG Metall sei die Mehrheit der Beschäftigten mit der Arbeitszeit zufrieden.

28 Jahre nach dem Mauerfall versteht keiner, warum Metaller in modernen ostdeutschen Betrieben Kollegen zweiter Klasse sind, die 38 Stunden in der Woche arbeiten müssen. Nun müssen am 24. Oktober die Tarifbezirke darüber entscheiden. Zunächst aber wird im November und wahrscheinlich auch im Dezember verhandelt. "Wir fordern Geld und wir fordern Zeit".

Demnach würden Beschäftigte, die Kinder unter 14 Jahren im Haushalt betreuen oder einen Angehörigen pflegen, einen Entgelt-Zuschuss von 200 Euro im Monatbekommen.

Wie begründet die IG Metall ihre Forderung? Die endgültige Entscheidung liegt in zwei Wochen bei den regionalen Tarifkommissionen, die aber in aller Regel nicht mehr von der Empfehlung des Vorstands abweichen.

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