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Raus mit der spanischen Polizei!

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Demonstranten tragen am katalanischen „Nationalfeiertag“ 11. September die katalanische Flagge „Esteladas“ durch die Straßen

Die spanische Zentralregierung in Madrid hält das für verfassungswidrig. Die Region Katalonien will sich von Spanien ablösen. In zwei Fällen mussten Beamte der katalanischen Polizei, der Mossos, den Kollegen der nationalen Polizei den Weg durch die Demonstranten ins Freie bahnen.

Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy sagte, mit den Maßnahmen erfülle er seine Pflicht.

Von den Durchsuchungen waren katalanischen Behörden zufolge das Büro des Regierungschefs Carles Puigdemont und Räume der Abteilungen für Wirtschaft und Außenpolitik betroffen.

Da ein unabhängiges Katalonien nicht mehr zur Euro-Zone gehören würde, wären für drei Viertel seiner Waren Zollgebühren fällig, fügte der Minister hinzu. Die spanische Zentralregierung in Madrid versuche auf allen Wegen, das für den 1. Oktober geplante Unabhängigkeitsreferendum zu verhindern, so der Vorwurf. Die separatistische Bürgerbewegung ANC rief nach den Festnahmen öffentlich zur "Verteidigung der katalanischen Institutionen" auf.

Die katalanischn Regionalregierung erklärte, die Militärpolizei habe Josep Maria Jove festgenommen – die rechte Hand von Vize-Regierungschef Oriol Junqueras.

Bei einem weiteren Einsatz beschlagnahmte die Polizei zudem fast zehn Millionen Stimmzettel, wie das Innenministerium mitteilte.

In Barcelona versammelten sich Hunderte Menschen vor dem Wirtschaftsministerium der Regionalregierung und protestierten gegen das Vorgehen der Guardia Civil. Sie ist hochindustrialisiert, große Chemie- und Medikamentenfirmen sind dort beheimatet, die VW-Tochter SEAT stellt dort einen Großteil ihrer Autos her. Katalonien zahle viel Geld an Madrid und werde im Gegenzug zu wenig gefördert, argumentieren die Separatisten. "Der Wille des katalanischen Volkes kann nicht gebremst werden".

Der linksgerichtete katalanische Abgeordnete Gabrial Rufían wählte im spanischen Parlament noch drastischere Worte: "Nehmt Eure schmutzigen Finger von den katalanischen Einrichtungen weg!", sagte er.

Sowohl die neun ERC-Abgeordneten als auch die acht Abgeordneten von Puigdemonts rechtsgerichteter Unabhängigkeitspartei PDeCAT verließen aus Protest gegen die Razzia das Parlament.

Die Regionalregierung will am 1. Oktober über eine Unabhängigkeit Kataloniens vom Rest Spaniens abstimmen lassen - ungeachtet mehrerer Verbote des Verfassungsgerichts und strafrechtlicher Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.

Im Regionalparlament in Barcelona haben die Unabhängigkeitsbefürworter seit 2015 die Mehrheit. In Umfragen liegen die Gegner einer Abspaltung derzeit mit gut 49 zu 41 Prozent vorne.

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