fashionmagazin.org

International

Kindsmörder Marcel H. (19) schweigt vor Gericht

Share
Kind in Herne getötet: Prozess gestartet

Die ersten Zuschauer hatten sich bereits vor sechs Uhr vor dem Bochumer Landgericht eingefunden. Nicht mal die Fotografen, die im Dutzend ihre Objekte auf ihn richten, scheint dieser blasse, dürre Junge wahrzunehmen. "Er handelte in dem Streben danach, einen Menschen sterben zu sehen", sagte Staatsanwalt Danyal Maibaum. Nach Verlesung seiner Personalien nickt er kurz und sagt: "Richtig so".

Mit Mord gebrüstet Am 6. März soll der Täter den kleinen Nachbarsjungen Jaden unter einem Vorwand aus seiner Wohnung gelockt haben.

Der Angeklagte ließ sich nach Eintreten in den Gerichtssaal minutenlang fotografieren und filmen.

Die sucht zu diesem Zeitpunkt seit drei Tagen mit einem Großaufgebot nach ihm. Und weil Unbekannte die Dokumente hochluden auf die Website 4chan, wurde ein Chatroom zur globalen Echokammer des Grauens. Darin heißt es unter anderem "Ich habe hier gerade den Nachbarn umgebracht".

Im Keller attackierte H. den arglosen Jungen mit einem Klappmesser und stach 52-mal auf ihn ein. Es sei ein Zeichen, führt der Jurist aus, dass Marcel H. Er gesteht zwei Morde und eine Brandstiftung. Dann versteckte er sich in einem Wald und flüchtete H. zum wenige Kilometer entfernt wohnenden Bekannten Christian W. H. rastet aus. 68 Stiche zählen die Rechtsmediziner bei der Obduktion.

Vor dem Landgericht Bochum wird eine entscheidende Frage sein, welche geistige Reife Marcel H. besitzt. Am Tathergang gibt es keine Zweifel. "Selbstbewusst, eiskalt, sehr emotionslos", so erlebte damals Klaus-Peter Lipphaus, der Leiter der Bochumer Mordkommission den 19-Jährigen beim Geständnis. Dieser konnte sich noch zur Wohnungstür schleppen, doch H. setzte nach. Der 54-jährige Anwalt sitzt neben Marcel H., er ist seine Stimme. Auf Nachfragen verwies Emde am Rande des Verfahrens darauf, dass sein Mandant die Taten nach der Festnahme gestanden habe. Der Mandant werde zunächst einmal weder Angaben zur Person noch zur Tat machen, "allerdings tritt er den Anklagevorwürfen in tatsächlicher Hinsicht nicht entgegen". Als der Anwalt sich für den Schlabberlook seines Klienten entschuldigt, weil die Familie sich geweigert hatte, dem Angeklagten ordentliche Kleidung zu übergeben, erntet er hämische Lacher aus dem Publikum. "Er findet keinen Zugang zu seinen Gefühlen", sagt Verteidiger Michael Emde. Es scheint, als wolle sie den 19-jährigen Angeklagten dazu zwingen, ihr in die Augen zu schauen. Außerdem dokumentierte er seine Tat mit schrecklichen Bildern, auf denen er in angeberischer Pose und mit blutverschmierten Händen neben der Leiche des kleinen Jaden posieren soll. Aber es stimme wohl "die Deutung, die die Mordkommission im März verbreitete". Der Teenager soll frustriert gewesen sein, weil die Bundeswehr seine Bewerbung abgelehnt hatte. Zwei Suizidversuche seien gescheitert. Die Mütter der beiden Getöteten werden den Prozess als Nebenklägerinnen verfolgen.

Share