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YouTuber interviewen Angela Merkel #DeineWahl

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Angie auf Youtube

Ein bisschen hänge das natürlich damit zusammen, was einem der Herrgott mitgegeben hat.

Interview. Eine Stunde lang stellte sich Kanzlerin Angela Merkel den Fragen von vier YouTube-Stars. Es gab viele, die das der Beautyvloggerin nicht zutrauten. Dass Isik die Kanzlerin nicht zu überraschenden Aussagen brachte, verwundert also nicht. Dieses Mal interviewten gleich vier YouTuber die wahlkämpfende Kanzlerin - allerdings nacheinander. Wären da nicht die Plakate hinter Angela Merkel. Das damalige Gespräch wurde jedoch aufgezeichnet. Heraus kamen 30 Minuten Small-Talk über Merkels Bauchgefühl.

Angela Merkel im Interview mit dem Geschlechtsteil der Verkehrten Netzwelt Artikel Weg da, LeFloid.

Mit einem Rechtsanspruch auf Nachmittagsbetreuung in der Grundschule will Merkel auch die Bedingungen für die Hausaufgabenhilfe verbessern. "Sie arbeiten ja in ihrer Partei mit den grössten Machos zusammen", stellt Isik fest.

"ItsColeslaw" (Lisa Sophie) wollte von Merkel hören, was sie gegen die unterschiedlich rigide Regelungen in den Ländern bei der Fächer- und Prüfungswahl tun wolle. Zum Korea-Konflikt sagte sie, man müsse keine Angst vor einem neuen Weltkrieg haben.

Würden Sie nochmals Kanzlerin werden wollen? Isik solle ein Thema nennen, Merkel werde dann die Unterschiede benennen. Egal ob es sich um die Gewerbesteuer oder vermeintlich weibliche Politikfelder wie Familie oder Bildung handelt. Eine Frage, die Isik spontan leider nicht einfiel. Den Übergangskredit in Höhe von 150 Millionen Euro für die Fluggesellschaft verteidigt Merkel: Zehntausende Reisende im Stich zu lassen, "weil Benzin nicht bezahlt werden kann und die Tickets verfallen, das wäre glaube ich nicht angemessen gewesen", sagt die Kanzlerin. Und hätte von Merkel eine minutenlange Wahlkampfrede für die CDU geerntet.

Es ist Wahlkampf, und auch die Jugend soll gewonnen werden hier beim Livestream im schicken YouTube-Studio in Berlin-Tempelhof. 49 Prozent, so eine Blitzumfrage am Ende des Interviews, fürchten sich vor einem Krieg. "Sonst machen Sie immer nur Selbstdarstellung?", fragt Merkel sichtlich überrascht. Und genau dazu kam es gestern bei Video-Format "Deine Wahl". Und die der Politiker, der Diplomatie und Mehrheitsentscheidungen. Anschließend äußerte sie sich zu ihrer Flüchtlingspolitik: Aufgabe der westlichen Welt sei es, in den Herkunftsländern der Migranten für gute Lebensbedingungen zu sorgen, um weitere Abwanderung aufzuhalten.

Zur Zielgruppe von ItsColeslaw, oder Lisa Sophie, gehören vornehmlich Teenager. Doch ihre Antworten sind gähnend langweilig. Sie ist schonungslos dabei.

Sie vergisst es trotzdem.

Bei YouTube geht es vor allem um Spaß und Unterhaltung und Konsum. Jeder darf zehn Minuten seine Fragen stellen.

Lisa Sophie (22), studiert Politik und Psychologie in Berlin und bloggt über Alltagsgeschichten.

"Für mich ist die Ehe nach dem Grundgesetz ein Bund zwischen Mann und Frau".

Neben politischen Fragen wurden der Kanzlerin auch persönliche Fragen gestellt. Es ist klar, dass sie nicht die Grundkompetenzen meint. Aber die Antworten von Bundeskanzlerin Angela Merkel sind besser - zumindest besser einstudiert. Zu DDR-Zeiten hätte sie noch Werkunterricht gehabt. Auch darüber, wie hoch der Anteil von Frauen in den Führungsebenen der Unternehmen sei und wie stark Frauen im Bundestag vertreten sind, debattieren die zwei. Die Kanzlerin grinst. "Smiley". Gerne auch mit Herzchen in den Augen. Wenn es nicht gut läuft, das "mit Schnute". Der 28-jährige Alex Böhm testet als AlexiBexi Technik, vertont Lieder neu oder beantwortet Fragen seiner Abonnenten. Die Frage nach den Smiley ist als Auflockerung gemeint, das Interview hat er souverän geführt.

Die letzten beiden Fragen von AlexiBexi brachten die Bundeskanzlerin dann für einen winzigen Moment aus dem Konzept. Wie die Kanzlerin den Talk fand, lässt sich dagegen nur erahnen.

Warum sie gegen die Elektroauto-Quote sei, die SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz anstrebe, fragt Böhm dann noch. Hintergrund ist der schleppende Verkauf von E-Autos, von denen noch keine 100.000 in Deutschland unterwegs sind.

Wer immer noch der alten These anhängt, das Medium sei die Botschaft, muss spätestens jetzt einsehen: Nein, Merkel sendet ihre Botschaft, egal ob auf dem Marktplatz, im Fernsehen oder eben auf Youtube. Die Kommentarspalte unter dem Video ist gut gefüllt. Ihr Echo reicht schließlich von "Ich geh mich jetzt erschießen" bis "Mehr solche Sendungen! Dazu will die Produktionsfirma noch nichts sagen.

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