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Kölner Schriftsteller auf Betreiben der Türkei festgenommen

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Linke und Grüne fordern Freilassung von Dogan Akhanli

Der türkischstämmige Kölner Schriftsteller Dogan Akhanli ist in Spanien festgenommen worden. Was ihm vorgeworfen wird, war zunächst unklar.

Akhanlis Anwalt forderte die sofortige Freilassung seines Mandanten aus spanischem Gewahrsam. Aus dem Auswärtigen Amt ist zu hören, dass der Fall dort bekannt sei.

► "Die jetzigen Festnahme zeigt den Versuch Erdogans, seine Macht über die Grenzen seines Landes hinaus auszudehnen und weltweit gegen unliebsame und kritische Stimmen vorzugehen", sagt Anwalt Uyar. Bei der spanischen Polizei habe ein Dringlichkeitsvermerk der internationalen Polizeibehörde Interpol vorgelegen. Die sogenannte "rote Ausschreibung" wird von Interpol an die Mitgliedsstaaten verteilt, wenn ein Land einen Verdächtigen in einem anderen Land mit dem Ziel der Auslieferung festnehmen lassen will.

Akhanli wurde demnach am Samstagmorgen im Urlaub in Granada in seinem dortigen Domizil festgenommen. Die Staatsanwaltschaft warf dem Schriftsteller damals einen bewaffneten Raubüberfall im Jahr 1989 vor, also mehr als zwanzig Jahre zuvor.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck bezeichnete den Haftbefehl als "eindeutig rechtsmissbräuchlich". Im Jahr 1991 setzte er sich nach Deutschland ab, wo er als politischer Flüchtling anerkannt wurde und später die deutsche Staatsbürgerschaft annahm. Er ist Mitglied der internationalen Schriftstellervereinigung PEN. Mehrere seiner Werke thematisieren auch den Völkermord an den Armeniern und die Art, wie Informationen dazu in der Türkei unter Verschluss gehalten werden. In Deutschland wurden seine Projekte für einen offenen Umgang mit historischer Gewalt und für Versöhnung mehrfach ausgezeichnet, etwa vom Bündnis für Demokratie und Toleranz. Wiederholt äußerte sich Akhanli kritisch gegenüber der türkischen Regierung.

Der Schriftsteller war schon einmal im August 2010 bei der Einreise in Istanbul festgenommen worden. 2010 hatte ihn ein Istanbuler Gericht wegen eines Raubüberfalls vor 21 Jahren angeklagt. Der hatte daraufhin sofort die Deutsche Botschaft in Madrid eingeschaltet. Der türkische Berufungsgerichtshof hatte in Akhanlis Abwesenheit den Freispruch anschließend aufgehoben und ein neues Verfahren angeordnet. Zudem baten sie, dass Deutschland direkt in den Prüfprozess des türkischen Haftbefehls gegen Akhanli eingebunden wird, hieß es in Sicherheitskreisen am Samstagabend. Im Februar 2017 wurde der deutsch-türkische "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel festgenommen". Seit Juli sitzt auch der deutsche Menschenrechtler Peter Steudtner in der Türkei in Haft.

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