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Türkei: "Marsch für Gerechtigkeit" in Istanbul angekommen

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Die türkische Opposition hat Potenzial

Die Organisatoren sprachen von mehr als zwei Millionen Teilnehmern der Veranstaltung. Die Kundgebung findet unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt. Tatsächlich kamen in Maltepe bis zum Abend mehr als eine Million Kundgebungsteilnehmer zusammen - Kilicdaroglu hat die demoralisierte Opposition inspiriert. Die Angst vor immer neuen Verhaftungswellen und das Gefühl, dass insbesondere seit dem Putschversuch des vorigen Sommers die Justiz vollends zu einem Instrument der Regierung geworden ist, reicht bis in die Stammwählerschaft des Präsidenten hinein: Kilicdaroglus Ruf nach "Gerechtigkeit" können sich in der Türkei viele anschließen. Dessen Verurteilung am 14. Juni zu 25 Jahren Haft wegen eines Artikels über geheime türkische Waffenlieferungen an islamistische Rebellen in Syrien zeigte ihm, dass auch seine Partei nicht länger sicher ist und etwas geschehen muss. Die Demonstranten trugen türkische Fahnen, Transparente mit dem Bild des säkularistischen Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk und weiße T-Shirts mit der Aufschrift "Adalet".

"Dies ist der längste politische Marsch in der Weltgeschichte, sowohl was die Teilnahme, als auch seine Länge und Dauer betrifft", sagte der CHP-Abgeordnete Özgür Özel auf der letzten Etappe. Der Journalist Fehmi Koru, ein langjähriger Erdogan-Anhänger, der sich vom Präsidenten abgewandt hat, rät der AKP, die Forderung nach einer gerechten Gesellschaftsordnung ernst zu nehmen. Am Sonntag besuchte Kilicdaroglu den inhaftierten Abgeordneten in seinem Gefängnis in Maltepe. Er forderte jedoch die CHP auf, nach der Kundgebung ihren Protest zu beenden. Alle inhaftierten Journalisten und Abgeordneten müssten freigelassen werden, fordert Kilicdaroglu. "Wir sind für die nicht existierende Gerechtigkeit marschiert". In den Medien fand der Marsch zuletzt grosse Aufmerksamkeit.

Kilicdaroglu will mit dem "Adalet Mitingi", wie der Marsch auf Türksch heißt, gegen die Unterdrückung der Opposition im Land demonstrieren.

Bei aller Kritik an der Regierung distanzierte sich Kilicdaroglu entschieden von den Umstürzlern.

Zehntausende Menschen haben sich Kilicdaroglu bei seinem Marsch angeschlossen, darunter die Schriftstellerin Asli Erdogan und der führende kurdische Politiker Ahmet Türk. Seit dem Putschversuch vor einem Jahr - am 15. Juli 2016 - wurden etwa 50'000 Menschen in der Türkei festgenommen, weitere 100'000 wurden aus dem Staatsdienst entlassen oder suspendiert, darunter Lehrer, Richter, Soldaten und Polizisten.

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