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Sigmar Gabriel schreibt offenen Brief: Türkischstämmige Menschen in Deutschland gehören zu uns

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"Gleichgültig, wie schwierig die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei sind, bleibt für uns klar: Sie, die türkischstämmigen Menschen in Deutschland, gehören zu uns - ob mit oder ohne deutschen Pass", erklärte Gabriel. Deshalb ändere sich nun die deutsche Politik. Das Thema einer türkischen EU-Vollmitgliedschaft habe sich "endgültig erledigt".

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) hat in einem offenen Brief an die türkischstämmige Bevölkerung in Deutschland um Verständnis für den verschärften Kurs der Bundesregierung gegenüber Ankara geworben.

Berlin. Wegen der zunehmenden Repression in der Türkei hat die Linkspartei einen Abschiebestopp für abgelehnte türkische Asylbewerber gefordert.

Die Freundschaft zwischen Deutschen und Türken sei "ein großer Schatz", schreibt Gabriel "im Namen der gesamten Bundesregierung" an die rund drei Millionen Türken und türkischstämmigen Menschen.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz warf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor, eine klare Konfrontation mit Erdogan zu scheuen.

Das Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei ist so schlecht wie lange nicht. "Frau Merkel hat die Angewohnheit, Problemen auszuweichen", sagte Schulz laut vorab verbreitetem Manuskript im "Interview der Woche" des Deutschlandfunks.

Die deutsche Reaktion richte sich aber nicht gegen die Menschen in der Türkei und gegen die Mitbürger mit türkischen Wurzeln in Deutschland. "Und ich glaube, wenn ein Staatspräsident wie Herr Erdogan sagt 'man muss den Putschisten den Kopf abschlagen, deshalb will ich die Todesstrafe', dann hat er sowieso die Brücken zur Europäischen Union abgebrochen". "In der jetzigen Situation ist es richtig, Dialogbereitschaft zu zeigen", sagte der Vorsitzende des Dachverbandes von etwa 260 Einzelvereinen, Gökay Sofuoglu, der "Welt am Sonntag". Er verteidigte zugleich die Kritik der Bundesregierung an der Verhaftung mehrerer deutscher Staatsbürger in der Türkei. "Die Anerkennung und politische Repräsentation von türkeistämmigen Menschen wurde viel zu lang vernachlässigt und ist längst überfällig. Der Außenminister hat einen Anfang gemacht", lobte Sofuoglu.

Daraufhin bestellte Gabriel den türkischen Botschafter ein, verschärfte mitten in der Urlaubssaison die Reisehinweise für die Türkei und kündigte an, die finanziellen Hilfen, die die Türkei aus Brüssel erhält, zu prüfen. Zudem verweigert die Türkei deutschen Abgeordneten einen Besuch bei Bundeswehr-Soldaten auf einem NATO-Stützpunkt. "Die Reaktion Deutschlands ist verständlich", sagte EU-Erweiterungskommissar Johannes Hahn der "Welt". Der EU-Beitrittskandidat bewege sich immer weiter weg von europäischen Standards, sagte Hahn.

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