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Schwere Zusammenstöße auf Tempelberg trotz Einigung - 50 Verletzte

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Jerusalem

Auch der jordanische König Abdullah II., der aufgrund des israelisch-jordanischen Friedensvertrages von 1994 Hüter der heiligen muslimischen Stätten in Jerusalem ist, hatte in einem Telefonat mit Netanjahu gefordert, die neuen Sicherheitsvorkehrungen am Zugang zum Tempelberg zu entfernen.

Die Sicherheitsvorrichtungen führten zu wütenden Protesten, bei denen fünf Palästinenser getötet wurden. Die Palästinenser reagierten zunächst skeptisch. So werde eine "kluge Überprüfung" überall in der Altstadt Jerusalems möglich, um die Sicherheit der Besucher auf dem Gelände des Tempelbergs zu gewährleisten. Es herrscht etwa die Sorge, auch stark verschleierte Musliminnen könnten durch Nacktscanner bloßgestellt werden. Sicherheitskräfte würden auf diese Weise gewarnt, sollten gesuchte Personen den Tempelberg betreten wollen.

Die Arabische Liga zeigte sich am Donnerstag in der Tempelberg-Krise solidarisch mit den Palästinensern. Mit zahlreichen mythischen sowie biblischen Traditionen und Legenden ist der Tempelberg, arabisch "Haram al-Scharif" (edles Heiligtum), ein religiös aufgeladener Ort und eine Juden und Muslimen, aber auch Christen wichtige heilige Stätte.

Zudem wurden in Erwartung palästinensischer Proteste zusätzliche Polizeieinheiten in die Jerusalemer Altstadt entsandt. Doch Jordanien bestand darauf, den israelischen Wachmann zu verhören.

Gute Beziehungen zu Jordanien liegen im Interesse Israels, die beiden Länder kooperieren eng in Sicherheitsfragen. Nach der Aufforderung der Wakf-Behörde zum Massengebet wird weiterhin damit gerechnet, dass Zehntausende zum Tempelberg kommen. Der Mufti von Jerusalem, Mohammed Ahmed Hussein, hatte den Boykott am Mittag für beendet erklärt. Die Wakf ist Teil des Gremiums. Auch aus seiner eigenen Koalition bekam der Premier Gegenwind: "Israel geht geschwächt aus dieser Krise hervor", beklagte Naftali Bennett, Bildungsminister und Vorsitzender der rechten Partei "HaBayit HaYehudi". Sie alle wollen zur Al-Aqsa-Moschee, das erste Mal seit fast zwei Wochen.

Auch nach dem Abbau der umstrittenen Metalldetektoren am Tempelberg durch Israel warnte UNO-Generalsekretär Antonio Guterres vor einer Eskalation der Gewalt.

Die Palästinenser lehnen jegliche Kontrollen am Tempelberg ab und werfen Israel vor, es wolle schrittweise mehr Einfluss über die Anlage erlangen. Die Sicherheitsmassnahme war die Reaktion auf einen Anschlag auf dem Tempelberg, bei dem zwei israelische Polizisten erschossen wurden.

Mladenow äußerte sich vor Journalisten in New York, nachdem er dem UN-Sicherheitsrat über die jüngsten Entwicklungen Bericht erstattet hatte.

"Täuschen wir uns nicht: Während die Ereignisse in Jerusalem auf einer Fläche von ein paar Hundert Quadratmetern stattfinden mögen - in der Altstadt -, betreffen sie hunderte Millionen Menschen rund um die Welt", sagte Mladenow. Die Angreifer sollen die Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg als Rückzugsort genutzt haben; die israelische Polizei fand dort Waffen.

Israels Sicherheitskabinett hatte nach mehrstündigen nächtlichen Beratungen Freitagfrüh entschieden, den Empfehlungen der Polizei nachzukommen und die Metalldetektoren beizubehalten.

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