fashionmagazin.org

International

Papst feuert Stellvertreter, deutschen Kardinal Müller

Share
Kardinal Gerhard Ludwig Müller: Papst trennt sich von deutschem Berater Kardinal Müller

Beinert sagte, das Verhältnis zwischen Papst Franziskus und Müller sei von Anfang an nie sehr innig gewesen. Müller, der sich derzeit in Mainz aufhält, erläuterte gegenüber der „Allgemeinen Zeitung weiter: Der Papst habe ihm mitgeteilt, er wolle dazu übergehen, generell Amtszeiten auf fünf Jahre einzugrenzen, „und da war ich der Erste, bei dem er das umgesetzt hat“. Der Vatikan hatte am Sonnabend bekannt gegeben, dass Müller vom bisherigen Sekretär der Kongregation, dem spanischen Erzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer, abgelöst wird. Am 2. Juli 2012 wurde er von Papst Benedikt XVI., Franziskus' Vorgänger, an deren Spitze berufen. Die Amtszeit des 69-Jährigen als Chef der mächtigen Glaubenskongregation werde nicht verlängert.

Papst Franziskus und sein Kardinal lagen inhaltlich nicht nur bei wiederverheirateten Geschiedenen nicht auf einer Linie. Der Papst traf den deutschen Kardinal bereits am Freitag, um ihm die Entscheidung persönlich mitzuteilen. Die fünfjährige Amtszeit Müllers als Präfekt in Rom geht an diesem Sonntag zu Ende. Vor seiner Berufung in die Führungsetage der Glaubenskongregation war er seit 2004 Generalsekretär der Internationalen Theologenkommission, die den Vatikan berät.

Ganz schwierig wurde das Miteinander nach den Bischofs-Synoden zum Thema Familie und dem daraus entwickelten Papstschreiben "Amoris laetitia" (2016), das Katholiken in zweiter Ehe unter bestimmten Voraussetzungen den Zugang zu den Sakramenten gewährte. "Ich dachte zuerst, das sei ein Aprilscherz", sagt der Finther Ortsvorsteher Herbert Schäfer, der Kardinal Gerhard Ludwig Müller gut kennt und mit ihm einst in der Finther Kirche Ministrantendienst leistete. "Das sind von der Chemie her zwei verschiedene Leute, die von Natur aus nicht zusammenpassen". Für die Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" bedeutet ein Wechsel in der Glaubenskongregation daher "die wertvolle Möglichkeit einer Neuorientierung".

Vor einigen Monaten wurde schließlich bekannt, dass der Papst drei verdiente Mitarbeiter Müllers fristlos entlassen hatte, weil sie seinen kirchenpolitischen Kurs kritisierten. Die Ablösung Müllers sei eine "Strafe". Doch auch die theologischen Auffassungen seien zu unterschiedlich gewesen. Der 69-Jährige, der aus Mainz-Finthen stammt, hält sich nach Angaben der Zeitung an diesem Wochenende in seiner Heimatstadt auf, weil er mit früheren Klassenkameraden sein 50-jähriges Abiturjubiläum feiert.

Im März hatte eines der Missbrauchsopfer katholischer Geistlicher, Marie Collins, Müllers Kongregation beschuldigt, sich der Arbeit der päpstlichen Kommission zum Schutz von Kindern zu widersetzen. Müller hatte Ende Februar den Vorwurf systematischer Vertuschung von Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche zurückgewiesen. "Das ist eine Entlassung ins Nichts", sagte der ehemalige Hochschulprofessor am Samstag der Deutschen Presse-Agentur in München. Dem Vatikan und der katholischen Kirche wird vorgeworfen, nicht hart genug gegen Kindesmissbrauch vorzugehen und pädophile Geistliche zu decken. Benedikt XVI. holte Müller 2012 nach Rom; im Jahr 2014 erhob Papst Franziskus ihn zum Kardinal.

Share