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IS verliert letzte Hochburg im Irak

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Die zerstörte Altstadt von Mossul

Der irakische Ministerpräsident Haider al-Abadi habe seinen Streitkräften in Mossul zum Sieg gratuliert, berichten mehrere Medien übereinstimmend. Vor allem östlich des Flusses Tigris, dessen Ufer schon länger von den Dschihadisten befreit sind, fangen die Bewohner an, ihre zerstörten Häuser wieder aufzubauen. Tausende Zivilisten kamen bei den Dauerbombardements der alliierten Luftwaffe ums Leben, wurden von Minen zerfetzt oder von den Extremisten auf der Flucht erschossen. Danach gab es in einem kleinen Gebiet der Stadt aber weiter erbitterte Gefechte mit IS-Kämpfern.

Der US-Sonderbeauftragte für die Bekämpfung des "Islamischen Staats", Brett McGurk, sprach von einem "Sieg" der irakischen Sicherheitskräfte. Sie war im Sommer 2014 binnen weniger Tage an den IS gefallen, nachdem Einheiten der irakischen Armee und Polizei geflohen waren. Die UNO erklärte, noch immer seien rund 700 000 Menschen aus Mossul vertrieben. Regierungstruppen hätten die Stadt vollständig eingenommen, sagte Abadi am Montagabend in einer Ansprache.

UN-Menschenrechtskommissar Said Raad al-Hussein drängte die irakische Regierung, sicherzustellen, dass in Mossul die Menschenrechte respektiert werden. Er beglückwünschte die Soldaten zu ihrem heroischen Kampf und gratulierte dem irakischen Volk. Dennoch gingen die Kämpfe gegen die Dschihadisten noch weiter. IS-Kämpfer seien schließlich in den Fluss gesprungen und hätten versuchten, so zu entkommen.

Mossul diente dem Daesh als faktische Hauptstadt im Irak. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisierte einen übermäßigen und rücksichtslosen Einsatz von Gewalt seitens der Konfliktparteien im Kampf um Mossul. Etwa 200.000 von ihnen konnten demnach zurückkehren. Auch die humanitäre Krise ist noch nicht vorbei, warnen die UN. Von 54 Stadtteilen in Mosul seien 15 stark und 23 mäßig zerstört. Dabei nehmen die sunnitischen Extremisten vor allem Schiiten ins Visier, um die Spannungen zwischen den beiden Konfessionen zu verschärfen.

Mit dem Verlust der Stadt wäre die Terrormiliz im Irak militärisch weitgehend geschlagen. Im Irak halten die Gotteskrieger noch die strategisch wichtige Grenzstadt Tal Afar, im Zentralirak kontrollieren sie einen Distrikt nahe der Erdölstadt Kirkuk, im Westen des Landes die Gegend um die Euphrat-Stadt Qaim. Experten rechnen damit, dass sich die IS-Anhänger in die großen Wüstengebiete im Westen Iraks zurückziehen und dort Guerilla-Angriffe planen. Zudem ist die Miliz noch immer in der Lage, Attentate zu verüben. Dort ist eine von Kurden geführte Allianz bis in die nordsyrische IS-Hochburg Rakka vorgerückt. Diese seien aus ihrer Heimat vertrieben, als menschliche Schutzschilde missbraucht sowie Opfer von außergerichtlichen Hinrichtungen geworden. Die irakischen Truppen begannen dann im Oktober mit der Rückeroberung von Mossul. Die irakische Armee war zuvor mit Luftunterstützung der US-geführten Anti-IS-Koalition in den letzten Rückzugsort des IS in Westmossul eingefallen.

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