fashionmagazin.org

International

Eltern geben Kampf um todkrankes Baby Charlie auf

Share
Die Eltern des schwer kranken Charlie. Bild SN  APA /CHRIS J RATCLIFFE

Das Schicksal des elf Monate alten Babys hatte international für Schlagzeilen gesorgt. Die Familie beklagte in einer Pressemitteilung, dass durch die Gerichtsstreitigkeiten wertvolle Zeit vergeudet wurde, Zeit, die Charlie jetzt nicht mehr habe. 350.000 Menschen hatten eine Petition unterschrieben, in der sie Charlies Ausreise und Behandlung in den USA fordern. Sein Gehirn weise schwerste, irreparable Schäden auf.

Papst Franziskus hatte zuvor für die Eltern gebetet und US-Präsident Donald Trump auf Twitter geschrieben: "Wenn wir dem kleinen Charlie Gard helfen können, (.) würden wir uns sehr freuen, das zu tun".

Wütende Unterstützer der Eltern beschimpfen nach der Erklärung der Eltern vor dem Gericht die Justiz und Charlies behandelnde Ärzte: "Schämt euch!". Nach der Verleihung der Staatsbürgerschaft durch die USA sollte ursprünglich das schwerkranke Kind in die USA zur Behandlung gebracht werden.

Doch was vielen Kritikern als herzloses Handeln von Ärzten und Juristen erscheint, ist in Wirklichkeit - medizinisch und ethisch - komplizierter.

Charlie leidet an einer seltenen genetischen Krankheit, in der Fachsprache mitochondriales DNA-Depletionssyndrom (MDS) genannt. Sie produzieren weniger Energie, die der Körper aber dringend braucht. Charlies Erkrankung, bei der das Gen RRM2B betroffen ist, wurde erst vor rund zehn Jahren erstmals beschrieben. Sein Gehirn ist stark geschädigt, unter anderem kann er nicht mehr selbstständig atmen. Er muss künstlich beatmet und ernährt werden, ist gehörlos und hat epileptische Störungen.

Die Ärzte des Babys im Londoner Great-Ormond-Street-Krankenhaus hatten sich dafür ausgesprochen, dass der Junge in Würde sterben solle. Bereits Ende Juni sollte Charlies Beatmung eingestellt werden, doch die Eltern erbaten Aufschub, um von ihrem Sohn Abschied zu nehmen.

Die Eltern hatten für die Behandlung ihres Sohnes bereits rund 1,5 Millionen Euro an Spenden gesammelt, um den Krankentransport und die Behandlung finanzieren zu können.

Allerdings: Die Behandlung hätte Charlie nicht heilen können. Ein weiterer Kampf würde Charlie nur Schmerzen verursachen. Der Neurologe Michio Hirano von der renommierten Columbia University in New York schätzte die Chancen, dass sich Charlies Zustand mit dieser Therapie verbessere, auf etwa zehn Prozent. Es wurden aber schon Patienten behandelt, die einen ähnlichen Gendefekt mit milderen Verläufen haben.

Das Great-Ormond-Street-Krankenhaus klagte zuletzt über Belästigungen und sogar Morddrohungen durch Unterstützer der Eltern gegen Ärzte und Krankenschwestern.

Davon distanzieren sich Charlies Eltern am Montag aber eindeutig: Sie duldeten weder Drohungen noch beleidigende Bemerkungen.

Share