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Deutschland

Totenmesse für Helmut Kohl soll im Dom von Speyer geplant sein

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Ein Mann und sein Kind legen Blumen vor dem Haus von Helmut Kohl nieder

Der von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker angeregte Staatsakt für den verstorbenen Bundeskanzler soll binnen zwei Wochen im Europaparlament in Straßburg stattfinden. Nach der Messe soll dann der engste Familien- und Freundeskreis in der Kapelle im Adenauerpark in Speyer Abschied vom Altkanzler nehmen. "Schon zu Lebzeiten wurde Helmut Kohl mit der Ehrenbürgerschaft Europas ausgezeichnet". Der Begriff Staatsakt ist deshalb eigentlich schief. Zahlreiche Menschen pilgern zu seinem Haus, außerdem soll zu seinen Ehren ein europäischer Staatsakt stattfinden. Er werde sich persönlich dafür einsetzen, kündigte Juncker in der "Bild am Sonntag" an.

Die Begründung liegt für Juncker auf der Hand.

Deutschland trauert um Helmut Kohl († 87). Kohl wäre der erste Politiker, dem diese Ehre posthum zuteil wird. Einen solchen Staatsakt hat es noch nie gegeben, die Ehrung ist beispiellos. Auch sei es Kohls Wunsch gewesen, hieß es. Der Staatsakt ist nach Angaben des Blattes in Straßburg vorgesehen. Wie kaum ein anderer habe er sich um die Wiedererlangung der Einheit Deutschlands und die europäische Einigung verdient gemacht, die Deutschen verdankten ihm viel. Anschließend soll Kohls Sarg mit dem Schiff über den Rhein nach Speyer gebracht werden, im dortigen Kaiserdom ist eine Totenmesse geplant.

In seiner Zeit als Kanzler hatte er sie vielen Staatsgästen gezeigt. Dort befindet sich das Grab seiner ersten Frau Hannelore. Damals entstanden monumentale Bilder.

Ähnlich äußerte sich Landtagspräsident Christian Carius, der anregte, einen prominenten Platz in der Landeshauptstadt nach Kohl zu benennen. Diese sind weit gediehen, gehen zu Wochenbeginn aber weiter. Der Bundespräsident muss einen Staatsakt anordnen, um die Organisation kümmert sich meist das Bundesinnenministerium. Er will "blühende Landschaften" herbei zaubern, Deutschland mit Polen, Tschechien, Ungarn und Europa mit sich selbst versöhnen - und er wischt mit der Nonchalance eines Traumwandlers die Bedenken derer beiseite, die er im göttlichen Moment glückender Geschichte nur für Knauser und Knicker, für politische Kleinkrämer und ökonomische Erbsenzähler halten kann. Wer ordnet da an, wer veranstaltet, wer organisiert? Auch ein deutscher Staatsakt wurde diskutiert - kommt jetzt aber nicht mehr in Frage. Der frühere US-Präsident George H.W. Bush würdigte Kohl als "wahren Freund der Freiheit".

Und Merkel? Nach dpa-Informationen ist offen, ob die Kanzlerin bei einer Trauerfeier auf EU-Ebene reden würde. Angela Merkel, die mit dem Vorgänger an der CDU-Spitze keineswegs immer einer Meinung war, erfuhr auf einer Reise zum Papst vom Ableben des Altkanzlers.

Von 1969 bis 1976 war der geborene Ludwigshafener Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, von 1973 bis 1998 war er CDU-Bundesvorsitzender. Doch später sagte sie sich von ihm los. "Ich verneige mich vor seinem Angedenken", schließt der Text.

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