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Wirtschaft

Le Pen oder Macron: Schicksalswahl in Frankreich

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Stéphane Girod  Professor International Business IMD Lausanne

Die Front-National-Anführerin kam am Sonntag nur auf etwa 34,5 Prozent; das teilten die Meinungsforschungsinstitute Ipsos und Kantar-Sofres mit.

Macron hatte bereits in Umfragen deutlich vor seiner Konkurrentin gelegen und galt als klarer Favorit in der Stichwahl.

Marine Le Pen musste eine Niederlage einstecken. Sie gilt auch als Schicksalswahl für Europa: Während Macron sich für eine Stärkung von EU und Eurozone ausspricht, hat Le Pen ein Referendum über einen EU-Austritt Frankreichs angekündigt und will den Euro aufgeben. Das hätte die Union nach dem Brexit der Briten tief ins Mark treffen können.

Der neue Präsident Frankreichs heißt Emmanuel Macron.

Die beiden Kandidaten für die Nachfolge des scheidenden Staatschefs François Hollande gaben am Vormittag ihre Stimme ab. Tausende Macron-Anhänger jubelten im großen Innenhof des Louvre-Museums im Herzen der Hauptstadt.

Im Video: Kurz vor der Wahl wird Le Pen von ihrem Vater attackiert: "Charakter hat sie, aber."

. Der frühere Wirtschaftsminister setzte sich bei der Stichwahl am Sonntag mit großem Vorsprung gegen die Rechtspopulistin Marine Le Pen durch.

Der grüne Stadtrat für Transportwesen, Renaud Martin, hat sich Macron angeschlossen, weil er dessen Engagement für die EU und ihre "Erneuerung" für das nunmehr wichtigste Unterscheidungsmerkmal der politischen Kräfte Frankreichs hält: "Macron ermöglicht den politischen Big Bang, durch das Bündnis des linken und bürgerlichen Zentrums, jenseits der bisherigen, sinnlosen Frontverläufe". Er will die Wirtschaft wettbewerbsfähiger machen, damit sich sein Land in der Globalisierung besser behaupten kann.

Ein Debakel im ersten Wahlgang erlebten Hollandes Sozialisten: Ihr Kandidat Benoît Hamon erzielte nur 6,4 Prozent. Noch-Präsident Hollande hatte sich angesichts hoffnungslos schlechter Umfragewerte erst gar nicht um eine Wiederwahl beworben.

Die nächsten sechs Wochen werden für Macron entscheidend: Damit die Dynamik seines Erfolgs in einer starken Fraktion von EM-Abgeordneten mündet, muss Macron mit seiner Regierungsmannschaft und ersten Entscheidungen seine Reformfreudigkeit unter Beweis stellen. Eine derartige "Kohabitation" gab es zuletzt von 1997 bis 2002 mit dem Konservativen Jacques Chirac als Präsidenten und dem Sozialisten Lionel Jospin als Premierminister.

In ganz Europa wird die Wahl von Emmanuel Macron mit Erleichterung aufgenommen. Gestern hat Macron Le Pen verhindert.

Tatsächlich wird der Wahlkampf munter weiter gehen, denn in Frankreich stehen im Juni Parlamentswahlen an. Zudem sorgte kurz vor Ende des Wahlkampfs die Nachricht für Aufregung, dass das Macron-Team einem massiven Hackerangriff ausgesetzt war.

Letzten Hochrechnungen zufolge hat der Gründer der politischen Bewegung "En Marche!".

Schon vor Wochen entwendetDie Dokumente waren den Angaben zufolge schon vor einigen Wochen aus privaten und beruflichen E-Mail-Postfächern von Verantwortlichen der Bewegung entwendet worden.

Bei der ersten Runde der Präsidentenwahl hatten von belgischen Medien verbreitete Umfragen die Trends relativ gut vorhergesagt. Wer hinter dem Cyberangriff steckt, blieb zunächst unklar. Westliche IT-Experten sehen eine Hackergruppe mit Beziehungen zu russischen Geheimdiensten hinter den Attacken; Russland wies jede Schuld von sich. Dass Le Pen die Rückkehr zum Franc forderte, war ihr größtes Handicap in diesem Wahlkampf. Erst kurz vor der ersten Wahlrunde hatte es auf der Pariser Prachtstraße Champs-Élysées ein Attentat auf Polizisten gegeben. Macron hat deswegen ein ehrgeiziges Projekt: Er will in allen 577 Wahlkreisen eigene Kandidaten aufstellen.

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