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Deutschland

Hartes TV-Duell vor Schicksalswahl in Frankreich

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Marine Le Pen und Emmanuel Macron kämpfen am Sonntag in einer
Stichwahl um die Präsidentschaft Frankreichs

"Die beneidenswert agile Debatte hatte keinen klaren Sieger".

Le Pen will Frankreich seine Souveränität zurückgeben und legt ihre Pläne für ein EU-Austrittsreferendum dar.

Ihren Anhängern wiederum wird es gefallen haben, dass sie - wie Rechts- und Linkspopulisten in anderen Ländern auch - vehement für höhere Sozialleistungen aller Art eintrat; ihnen wird es auch gleichgültig sein, ob das zwangsläufig die Staatsverschuldung erhöht. "Hoffentlich wissen auch in Frankreich am Sonntag alle, was auf dem Spiel steht".

Vier Tage vor der Stichwahl war der Schlagabtausch am Mittwochabend ein Höhepunkt des Wahlkampfs. Le Pens Vorhaben sei ein "tödliches "und "gefährliches Programm".

Le Pen warf Macron im Gegenzug vor, sich Deutschland und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu unterwerfen.

Wie lief der Schlagabtausch ab?

Die beiden Moderatoren haben sichtlich Mühe mit den schnellen Attacken mitzukommen, sie sind lediglich die Stichwortgeber für die Streitthemen der zwei. Der "Figaro" titelte danach online: "2h30 lang Beschimpfungen".

Warum ist der Ton so unversöhnlich?

Der frühere US-Präsident Barack Obama unterstützt offen Macron.

Das erste große Thema war die Wirtschaft, vor allem die Arbeitslosigkeit, die unter Jugendlichen besonders hoch ist.

In der Tat, der 39 Jahre junge Proeuropäer und die 48-jährige EU-Gegnerin schenkten sich nichts. Zu Macron sagte sie: "Das Frankreich, das Sie verteidigen, das ist nicht Frankreich, das ist ein Handelssaal". Da Le Pen inzwischen erkannt hat, dass ihre Forderung nach einem Ausstieg aus dem Euro vor allem bei älteren Wählern sehr schlecht ankommt, fordert sie inzwischen einen zweigleisigen Abschied von der Währungsunion: Im Alltagsleben sollen die Franzosen mit Franc bezahlen, während die Großunternehmen weiterhin ihre Geschäfte in Euro abwickeln sollen. Er warnte etwa bei einer Rede am Montag, die Front National stehe für Nationalismus und gefährde die Freiheit. Der Front Nationale von Le Pen kann demnach auf bis zu 25 Mandate hoffen. Er wurde seinerseits von Le Pen in der TV-Sendung beschuldigt, Entgegenkommen gegenüber dem islamistischen Fundamentalismus zu zeigen.

Bei dem Zitat ging es allerdings nicht um SFR, sondern um Alstom, den 2014 teilweise an General Electric in den USA verkauften Maschinenbaukonzern (auch das deutsche Unternehmen Siemens war zuvor Übernahmekandidat). Damals prägte der spätere Präsident das Aufeinandertreffen mit seinem Satz "Ich als Präsident", den er 15 Mal wiederholte. Und sie ergänzte: "Ich sage Ihnen, was geschehen wird: Frankreich wird von einer Frau regiert - entweder von mir oder von Frau Merkel. Das werde entweder ich sein oder Frau Merkel".

Unerträglich, wie sich die beiden Kontrahenten nur niedermachen und von einem Thema zum anderen irrlichtern. Nach Meinung der Zuschauer entschied der unabhängige Kandidat das TV-Duell am Mittwochabend für sich.

Nach einer ersten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Elabe, die im Auftrag des TV-Senders BFW unter 1314 Bürgern durchgeführt wurde, soll jedoch Macron mit 63 Prozent der Stimmen in Führung gelegen haben. Hatte der parteilose Bewerber kurz nach der ersten Runde in den Umfragen noch bei deutlich mehr als 60 Prozent gelegen, kam er nach einer am Mittwoch veröffentlichten Erhebung des Instituts Cevipof/Ipsos/Sopra Steria auf 59 und Le Pen auf 41 Prozent. Er kann einer Umfrage zufolge auch auf die Stimmen von einem Drittel der Anhänger des radikalen Linken Jean-Luc Melenchon zählen.

Nach der Debatte legt er auf Twitter nach: "Gestern hat Frau Le Pen eine Sache gezeigt: Sie mag die Freiheit nicht". Viele von ihnen sehen Macrons wirtschaftsfreundliche Positionen kritisch und erwägen, nicht zur Wahl zu gehen oder einen leeren Umschlag in die Urne zu werfen. Neue Details zu den Wahlprogrammen der beiden bringt die Debatte allerdings kaum.

Emmanuel Macron, obwohl er der Favorit des Rennens ist, weiss, dass er viele Skeptiker überzeugen muss.

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