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Französischer Präsident Hollande ruft zu Wahl von Macron auf

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Nach den Terroranschlägen der vergangenen Jahre findet die Wahl erstmals unter den Bedingungen des Ausnahmezustands statt

So hatte der Parteichef der Sozialisten, Jean-Christophe Cambadélis, bereits am Sonntagabend getwittert: "Die Sozialisten müssen gemeinsam eine Sperre gegen den FN errichten". Die beiden Sieger, Macron und Le Pen von der rechtsextremen Front National, haben eines gemeinsam: Sie gewannen gegen die beiden Volksparteien, die regierenden Sozialdemokraten und die Konservativen.

Le Pen hatte in der Vergangenheit gesagt, dass sie nicht eine Kandidatin ihrer Partei sei. Le Pen hatte am Sonntag in der ersten Runde der Präsidentenwahl 21,4 Prozent der Stimmen erhalten und damit Platz zwei hinter Macron (24,0 Prozent) erreicht.

Macron und Le Pen starteten unterdessen am Tag nach der ersten Wahlrunde in den Wahlkampf für die Stichwahl. Selbst Eurobonds, die Frankreich von seiner haushaltspolitischen Verantwortung entlasten würden, will er dem Nachbarn zumuten. Deren Präsenz in der Stichwahl sei "ein Risiko für unser Land". Hinter Macron (34,2) war das sogar der Konservative Francois Fillon, der vor der Wahl in die Schlagzeilen kam, weil er seine Ehefrau illegal auf Staatskosten beschäftigt haben soll.

Ebenso wollen die unterlegenen Konservativen um François Fillon unter allen Umständen einen Sieg Le Pens verhindern. Die FN-Chefin will die Euro-Währung in Frankreich abschaffen und ihre Mitbürger über den Verbleib in der EU abstimmen lassen. "Denn numerisch liegt hier das größte Wählerpotenzial", sagt Kempin.

Knapp acht Monate später am Abend der ersten Runde der Präsidentschaftswahl steht der Politik-Novize etwas überwältigt vor seinen ausgelassenen Anhängern. Er zog daraus nun die Konsequenzen und führt seine Partei nicht wie gesplant in die Parlamentswahlen im Juni.

Etwa 47 Millionen Franzosen waren unter hohen Sicherheitsvorkehrungen zur Wahl des neuen Staatsoberhaupts aufgerufen. Stärkste Kraft war der FN im gesamten Nordosten Frankreichs - mit Ausnahme des Großraums Paris und des Départements Côte-d'Or rund um Dijon. "Das Frankreich, das leidet, entschied sich für Le Pen", schreibt das Magazin "Express".

Hinter den Kulissen versuchte Macrons Sprecherin Laurence Haïm mehr schlecht als recht die Euphorie zu dämpfen, indem sie davon sprach, die Aufgabe im zweiten Wahlgang "verantwortungsvoll" anzugehen.

Insgesamt gingen in Österreich 3.584 Auslandsfranzosen wählen - und sie meinten es auch fast alle ernst: 99,96 Prozent ihrer abgegebenen Stimmen waren auch gültig, wie aus den Daten auf der Website der Botschaft hervorgeht. Le Pens Wahlkampfchef, David Rachline, setzte nach: "Die EU, zumindest in ihrer jetzigen Form, und Macron stehen für einen entfesselten und nicht-loyalen Konkurrenzkampf, in dem Frankreich untergeht".

Der Wahlkampf für das Präsidentschaftsduell ist bereits im vollen Gange.

In ihren Reden schimpft Le Pen immer wieder auf "Technokraten" in Brüssel. Die Fernsehdebatte, welche die Sender France 2 et TF1 ausstrahlen wollen, ist für den 3. Mai geplant. Frankreich ist scheinbar unversöhnlich in gegensätzliche politische Strömungen zerklüftet. Erstmals seit Jahrzehnten sind weder die Konservativen noch die Sozialisten im zweiten Wahlgang einer Präsidentschaftswahl vertreten. Der amtierende Präsident François Hollande ließ mitteilen, er werde sich nicht vor Montag zum Wahlergebnis äußern. Ex-Regierungschef Alain Juppé forderte, den Kurs der Partei zu überdenken. Gemeint war Fillons Scheinbeschäftigungsaffäre, die ihn den Einzug in die Stichwahl gekostet haben dürfte. Wenn sich, was wahrscheinlich ist, am 7. Mai eine große Mehrheit der Franzosen für Letzteres ausspricht, eröffnet das immerhin die Chance auf einen Neuanfang in Frankreich.

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