fashionmagazin.org

Deutschland

Frankreich vor der Stichwahl: Macron ist Favorit

Share
Junge Wölfe alte Hasen

Mutig ist angesichts der in Frankreich verbreiteten EU-Skepsis die Entschiedenheit, mit der er Europa verteidigt.

Dabei war Marine Le Pen nach dem ersten Durchgang (21,3 Prozent) dynamisch gestartet: Erst brachte sie Emmanuel Macron bei einer überraschenden Fabrikvisite in seiner Heimatstadt Amiens in Bedrängnis.

Der Präsidentschafts-Wahlkampf hat in Frankreich auch sonst tiefe Spuren hinterlassen. Zugleich machte die Front-National-Kandidatin den früheren Wirtschaftsminister für die magere Bilanz des sozialistischen Staatschefs François Hollande verantwortlich und sagte, der Präsident würde Macron "fernsteuern". Oder kann Macron den Sieg bei der Präsidentschaftswahl noch verspielen, weil in Erwartung eines sicheren Vorsprungs vor der rechtsradikalen Marine Le Pen weniger seiner Anhänger zu den Urnen finden?

Aufgewühlt ging es zu beim einzigen TV-Duell vor der Stichwahl um das Amt des französischen Präsidenten. Macron bemühte sich, sachlich zu bleiben, wirkte aber, weil er vieles richtigstellen wollte, mitunter wie ein Lehrer.

Frankreich hat Sonntag die Wahl zwischen zwei Präsidentschaftskandidaten, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Marine Le Pen von der nationalistischen Partei Front National, die Frankreich aus der EU und dem Euro führen möchte sowie Emmanuel Macron.

Macrons Favoritenrolle unterstrich auch eine Umfrage von Donnerstag, die den 39 Jahre alten Sozialliberalen bei 61 Prozent der Stimmen sah.

Le Pen kam in der am Freitag veröffentlichten Umfrage im Auftrag des öffentlich-rechtlichen französischen Rundfunks auf 38,5 Prozent der Befragten.

Allerdings gaben 17 Prozent der Befragten, die ins Wahllokal gehen wollen, ihre Wahlabsicht nicht bekannt. Die Frage, wie viele und welche Wähler sich enthalten könnten, gilt als Unsicherheitsfaktor für die Stichwahl am Sonntag.

Le Pens Kurs dagegen stand am selben Tag bei mageren 35 Prozent und ist seitdem kontinuierlich gestiegen. Das macht am Sonntag auch eine Französisch-Lehrerin aus Bredeney. Hierzulande ging das fast unter, weil Macron vor Le Pen lag. Ein Sieg Le Pens wäre ein Erdbeben.

Am Freitag demonstrierten Schüler in Paris gegen beide Kandidaten und blockierten zehn Gymnasien. Er lobte die "demokratische Vitalität" von Melenchons Bewegung "Das aufsässige Frankreich". In der ersten Wahlrunde war Macron auf 24,01 Prozent der Stimmen gekommen, Le Pen auf 21,3 Prozent. Le Pen, die bei ihren Plänen für eine Rückkehr zum französischen Franc eine klare Mehrheit der Franzosen gegen sich weiß, geriet ins Schwimmen. Viele seiner Anhänger liebäugeln mit einer Enthaltung, weil sie Macrons wirtschaftsfreundliche Positionen ablehnen. Nach Meinung der Zuschauer entschied der pro-europäische Kandidat Macron die Debatte für sich.

Le Pen rechtfertigte ihren Auftritt später: Ihre Worte seien "Echo der sozialen Gewalt" im Land gewesen.

Die Tiraden von Le Pen gipfelten in dem Vorwurf, Macron würde sich Angela Merkel "bäuchlings unterwerfen".

Ich hoffe, dass Emmanuel Macron gewinnt und ich vertraue den Franzosen. Er spricht Menschen an, die eine Erneuerung wollen, aber Extreme ablehnen.

Die Linken-Vorsitzende Katja Kipping warnte am Donnerstagabend in der ZDF-Talkshow "Maybrit Illner" davor, den unabhängigen Kandidaten Macron "zur Lichtgestalt" zu erheben.

"Der Euro ist die Währung der Banker, nicht die Währung des Volkes", sagte Le Pen.

Share