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BrasilienTemer fordert Aussetzung der Ermittlungen gegen ihn

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Brasiliens Präsident Michael Temer wird durch Gesprächsmitschnitte schwer der Korruption beschuldigt

Dieser soll über umfassendes Wissen zu den Beteiligten in dem Korruptionsskandal verfügen. Der Oberste Gerichtshof leitete ein Verfahren gegen den konservativen Politiker ein.

Brasilia Brasiliens Präsident Michel Temer wehrt sich vehement gegen die jüngsten Vorwürfe gegen ihn im Zusammenhang mit Korruptionsermittlungen.

Am Donnerstag hatte Temer einen Rücktritt noch kategorisch ausgeschlossen. Zuvor waren Aufnahmen publik geworden, auf denen er Schweigegeldzahlungen für einen Mitwisser in einem Korruptionsskandal zu billigen scheint.

Der Leitindex Ibovespa fiel an der Börse in São Paulo um mehr als zehn Prozent, der Handel musste zeitweilig ausgesetzt werden. Er gilt als möglicher Übergangspräsident. Das politische Beben trifft die neuntgrößte Volkswirtschaft der Welt in einer Phase, in der sie langsam die bisher tiefste Rezession überwindet. Nun droht eine wochen- oder monatelange Lähmung, was die Finanzmärkte stark beunruhigt.

Seither ist Temer an der Macht, Rousseff spricht von einem "Putsch". Laut einer "Globo"-Finanzexpertin kaufte JBS am Vortag große Dollarmengen ein, die da noch weit weniger in Real kosteten als am Donnerstag, als der Skandal publik wurde". Der Präsident habe niemals Zahlungen zugestimmt, mit denen das Schweigen Cunhas habe erkauft werden sollen. "Man muss das aufrechterhalten, ok?", fragt er im Mitschnitt und betont, es dürfe nicht nach einer Behinderung der Justizarbeit aussehen.

Temer stolperte über einen Mitschnitt eines Treffens mit einem Unternehmer.

Wegen der aus seiner Sicht zweifelhaften Beweismittel will der Präsident den Obersten Gerichtshofs um eine Suspendierung der Ermittlungen bitten. In einem Brief teilte er mit, es gehe darum, die staatliche Korruption zu besiegen. Er ist heute Senator und Chef des wichtigsten Koalitionspartners, der Sozialdemokraten (PSDB). Damals war Temer noch nicht Staatsoberhaupt, aber Stellvertreter der später abgesetzten Präsidentin Dilma Rousseff. Er hatte mit ihr gebrochen, ein Bündnis mit der Opposition geschmiedet und so die nötigen Mehrheiten für die umstrittene Absetzung der linken Politikerin erreicht. Im ganzen Land gibt es Demonstrationen, der Schlachtruf lautet: "Fora Temer", "Temer raus". "Für uns gibt es keinen Zweifel, dass er nicht qualifiziert ist, um die Erneuerung durchzuführen, die Brasilien so dringend braucht", sagte Ugaz in Madrid.

Der Polit-Krimi in Brasilien geht in die nächste Runde. Er soll von JBS rund zwei Millionen Reals (630 000 Franken) Schmiergeld erbeten haben. Er beschuldigte Batista eines kriminellen Insiderhandels.

Dem Magazin "Epoca" zufolge soll er gesagt haben: "Sie werden alle im Gefängnis enden".

Hat Brasiliens Staatspräsident dabei geholfen, einen gefährlichen Mitwisser in einem Korruptionsfall zum Schweigen zu bringen?

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