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Von wegen weniger Verkehr: Deshalb kann Carsharing der Umwelt auch schaden

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Gut 1,7 Millionen Deutsche sind nach Branchenangaben inzwischen für Carsharing registriert, über ein Drittel mehr als vor einem Jahr.

Doch dieses Argument scheint zunehmend an Stichhaltigkeit zu verlieren. Ein Carsharing-Auto ersetze bis zu 20 private PKW. "Bequemlichkeitsmobilität" als "Ersatzprodukt für das Fahrrad, den öffentlichen Verkehr und das Taxi", nennt Weigele das.

Die Zahl der Carsharing-Fahrzeuge wuchs moderat um 6,8 Prozent auf 17.200, im free-floating-Bereich sind es nun 7.800 (+11,4 %), im stationsbasierten 9.400 (+3,3%). Die bequemen Carsharing-Autos ohne Station bringen neue Nutzer auf den Geschmack, vermutet der Autoexperte Stefan Bratzel. "Carsharing-Verfechter sprechen von, Klimaschutz durch Autofahren".

Warum also das Ganze?

Für die Autobauer bedeutet das geteilte Autofahren allerdings einen Milliardenmarkt. Daimler formulierte vor einer Weile, letztlich sei eine Fahrt mit Car2go immer auch eine Probefahrt mit dem Smart. Es leiste einen wichtigen "Beitrag, den Verkehr umwelt- und stadtverträglicher zu machen", obwohl man noch am Anfang einer Entwicklung stehe.

Wieder einmal drängt es Jürgen Resch, sowas wie ein Donald Trump des deutschen Engagements für den Umweltschutz, in die Schlagzeilen. Ein Vergleich des stationsbasierten Dienstes Flinkster mit den frei verfügbaren Autos von DriveNow ergab: Bei Flinkster haben mehr Kunden kein eigenes Auto, und es planten auch weniger, sich eines zuzulegen. Diese Studie stützt sich jedoch auf ausgewählte stationäre Angebote. "Free-floating-Systeme ziehen offensichtlich Haushalte stärker an, die am privaten Autobesitz festhalten", bestätigt auch der Branchenverband. Die Untersuchungen der vergangenen Jahre gäben dennoch Hinweise auf eine insgesamt positive Umweltbilanz, betont Geschäftsführer Willi Loose. Umweltstaatssekretär Flasbarth sagte, er wünsche sich zukünftig Regelungen für eine besondere Umweltfreundlichkeit der Autos oder einen bestimmten Teil an E-Mobilen. "Die stationären Carsharing-Konzepte, die mit viel Herzblut und Pfiffigkeit gemacht sind, sind wunderbar - selbst wenn damit nur ein Zweitwagen verhindert wird", räumt Geschäftsführer Resch ein. Daher warnte er auch Kommunen davor, solche Angebote zu fördern.

"Das ist eine Verkaufsförderung für die Autoindustrie", kritisiert Resch.

Die Bus- und Bahnbetreiber sehen jedoch noch keine Bedrohung - zu klein sei der Konkurrent. "Wie viele Fahrzeuge bräuchte man, um nur eine U-Bahn-Linie zu ersetzen?", sagt Lars Wagner, der Sprecher des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen. "Und wo sollten diese zusätzlichen Fahrzeuge alle noch fahren, die Straßen sind doch schon voll". Sie setzen vielmehr auf Kooperation beider Mobilitätskonzepte und glauben Carsharing eigne sich gut, um Lücken im Netz zu schließen.

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